Am 1. Mai brechen wir pünktlich um zwei Minuten nach 12 auf…Und 65 Menschen begleiten uns.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten. (H. Hesse)
Unser Aufbruch war chaotisch. Wie sollte es auch anders sein bei uns? Wie packt man das Inventar eines ganzen Hauses ein, in dem man 18 Jahre lang gelebt hat? Ein drittel der angehäuften Dinge, brauchten wir garnicht in diesem Haus und konnten sie getrost verschenken und verkaufen. Das Haus ist jetzt vorerst untervermietet und unser Zeugs passt auf 15 Quadratmeter Fläche. Plus noch ein paar wenige vereinzelte Möbelstücke – unsere Tatamimatten zum Beispiel.
Schon in den nächsten Tagen wird deutlich, dass all unser Zeugs, das wir in Zukunft brauchen werden, in unsere Satteltaschen passt. Das Luxus-Weib in Nirmala kommt etwas zu kurz und muss die geliebten Körperöle da lassen. Ein bisschen Wohlfühl-Kleidung wird aber eingepackt – immer nur in Plastik-/Trekkingkleidung, das geht einfach nicht.
Noch einen Tag vor unserem großem Aufbruch Ist das Chaos perfekt. Da sitzen doch echt noch ne Menge Menschen im Garten, um das Gründen einer GbR zu feiern. Erst jetzt, ist die Übergabe der Baumpflege-Firma vollbracht. Was für eine Geburt! Monate haben Köpfe gequalmt und haben sich Emotionen bewegt.
Nur so nebenbei: Hätte das nicht geklappt, wären wir losgefahren, mit der Verpflichtung weiterhin monatlich einen Häcksler und einen Firmenwagen abzubezahlen. Das hätte unser Vorhaben quasi unmöglich gemacht. Mein Mann war da weitaus gelassener als ich „Das wird schon“, während ich noch einen Tag vor Abfahrt dachte: „Da bin ich aber mal gespannt“. (Ich war SEHR gespannt…).
Okay. Alles unter Dach und Fach, Vertrag unterschrieben, alkoholfreien Sekt drauf getrunken, jetzt gibt es die https://www.baumpflege-weser-aue.de/

War schon mal jemand Eis essen mit 65 Menschen, plus Kindern, die noch in Fahrradanhängern mitgefahren sind? Wir jetzt schon. Den Abschied auf dem Dorfplatz, mit Kreistanz und gemeinsamen Frühstück, haben wir drei nur in Trance erlebt. Mehr als 80 Menschen hat etwa jeder von uns an diesem 1. Mai umarmt. Und die meisten davon, sind noch bis nach Stolzenau zur Eisdiele mitgefahren.
Übrigens krass, dass wir geschafft haben das Datum einzuhalten! Wir hatten – vorallem in der letzten Woche- Engel um uns herum, die uns geholfen haben, das Haus zu entleeren und zu putzen, zu kochen und uns jeden Gang abzunehmen, der noch gemacht werden musste. Etwas hektisch wurde es dann allerdings doch, was daran zu erkennen ist, dass Petur jetzt zu dem T-Shirt, das er an hat, noch ein weiteres mit hat, dafür aber noch sechs weitere Hosen (drei davon Winterhosen???!) 🙂
Zum Abend dann wurde der Tag erst schwer, und dann wieder leicht. Unsere lieben Freunde zu verabschieden, mit denen wir bis zu 18 Jahren offene Türen gelebt hatten (und gescheiterte „offene Beziehungsversuche“ ausprobierten), mit denen wir Geburten und Abschiede geteilt hatten und viele Gespräche über die Herausforderungen des Familien-, Eltern- und Gemeinschaftsleben geführt hatten.

Abends sind wir noch etwa 15 Menschen, die gemeinsam am Steinhuder Meer ankommen. Da der Campingplatz bereits voll ist, bauen wir unsere Zelte direkt am Waldrand auf. Warum nehmen wir uns eigentlich nur Zeit mit unseren Lieben, wenn etwas besonderes ansteht? So wie ein Abschied? In 18 Jahren waren wir nicht zusammen zelten und am See picknicken…Schmerzlich wird uns bewusst, wie kostbar jede Begegnung ist, jeder Kontakt. Wie einmalig, dass wir gerade mit diesen Menschen auf diesem Planeten gemeinsam reisen dürfen.
Genauso, wie uns eine gute Reise gewünscht wird, wünschen auch wir eine gute Reise. Denn diese Reise mit 107.000 km/h um die Sonne machen wir alle gemeinsam. Ob manche davon mehr im inneren reisen, oder andere sich vornehmen, viele Länder auf diesem Globus mit dem Rad zu erkunden, das spielt keine Rolle. Wir wissen um unsere untrennbare Verbundenheit.

Noch zwei weitere Tage begleiten uns Konstantin und Jakob. Unser Freund Konstantin hat uns die letzten Wochen besonders unterstützt mit unseren Rädern. Denn um ehrlich zu sein, haben wir keine Ahnung, was wir alles brauchen und wie wir diese Räder warten müssen. Was wir alles dabei haben (in unserer einen Packtasche voller Werkzeug) und was für eine Disziplin wir pflegen, um die Räder gut in Stand zu halten…darüber berichten wir ein anderes mal.
Der nächste Abschied, und der letzte, wird besonders schwer. Wir hoffen sehr, dass wir Besuch bekommen werden unterwegs und Menschen ein Stück mit uns mitfahren (Jaaaakob!!?? Konstantin? Deev? Kathi? Lara (wir können auch schieben)? Freunde von Petur??). Da Nirmala zwischendurch immer wieder in Deutschland ist (und nein, wir wissen noch nicht, wie wir das logistisch lösen), um Schweigeretreats zu unterrichten, könnte doch jedesmal jemand auf die Strecke mit kommen, um ein Stück gemeinsam zu fahren. So denken wir uns das jedenfalls.

Jetzt sind wir bereits 450 Kilometer zu dritt gefahren. Nirmala‘s Popo tut wirklich sehr weh, Petur will gerne mehr Strecke machen (so mindestens 100 Kilometre am Tag) und Lukas meint am Ende unseres ersten Wartungstages, dass er eigentlich doch nie Fahrradmechaniker werden wollte.
Es braucht wahrscheinlich noch etwas Zeit, bis wir uns eingrooven und einen Rhythmus finden, der für uns alle passt.
Mehr bald von uns im nächsten Blog oder bei Instagram.
Alles Liebe!!!


