Wenn ich alles für mich behalte, was bleibt dann, um anderen zu geben?
– Tibetisches Sprichwort –
Es ist Ende März. Das blühende Leben um uns herum, macht uns den Abschied nicht leicht. So ist nicht nur ein Haus und Freunde, die wir zurück lassen, sondern unsere Gemeinschaft, den „Lebensgarten Steyerberg“, in dem wir die letzten 17 Jahre verbracht haben. Hier sind unsere Kinder gross geworden, hier haben wir unsere Selbstständigkeiten aufgebaut, die wir lieben und viele lebendige Kontakte und Verbindungen erlebt. Gemeinsam gefeiert und getrauert.
Etwas naiv sind wir anscheinend doch an dieses grosse Projekt rangegangen. Als der Plan, mit dem Fahrrad die Welt zu umrunden, vor einem Jahr fix war, hielten wir es für selbstverständlich, dass uns grosse Firmen mit ihren Ausrüstungen, Rädern, medial oder finanziell begleiten würden. Dass es allerdings wirklich viele Menschen zu geben scheint, die genau jetzt mit ihren Rädern durch die Schlammbäder Afrikas fahren, ihre Räder durch Wüstenstreifen schieben oder durch den Himalaya, daran hatten wir nicht gedacht. Richtig gefreut hat uns, dass wir so viele Antworten bekommen haben auf unsere Sponsorenanfragen. Wirklich wohlwollende Emails, in denen wir zum Teil spüren konnten, dass manche Firmen uns gerne unterstützt hätten – und nicht die Kapazitäten dafür hatten.
So machen wir gerade die Erfahrung, dass ein beachtlicher Teil unseres Ersparten für unsere Ausrüstung drauf geht. Petur und Lukas konnten ihre Räder Second Hand erwerben, für Nirmala müssen wir ein neues Rad kaufen. Dafür haben wir einen GoFundMe-Spendenaufruf gestartet.
Für uns ist es kein Problem, um Geld zu fragen, aber was denken die anderen?
Wir bekommen schnell das Gefühl, dass „man sowas nicht tun sollte“. Wir merken, dass viele Menschen, garnicht von Freude erfüllt sind, weil sie die Möglichkeit bekommen, uns zu unterstützen. Es dauert etwas, bis wir das verstehen und lachen über unser Verständnis von Geld und von Geben und Nehmen.
Nein, es ist keine spirituelle Idee, wir freuen uns tatsächlich, wenn Menschen auf uns zu kommen, und um Unterstützung fragen. In welcher Form auch immer. Wir empfinden es als Geschenk, wenn wir jemanden mit tragen können und sind dankbar, wenn wir mitbekommen, dass jemand etwas braucht und wir helfen können. Wenn Nirmala in Hannover oder Bremen unterwegs ist, sorgt sie schon vorher dafür, dass sie ausreichend Kleingeld in den Taschen hat, um den bettelnden Menschen etwas zu geben. Dabei werten wir nicht darüber, was die Menschen mit unserem Geld machen. Wir wissen ja auch nicht, was unser Steuerberater mit unserem Geld macht.
Und was überhaupt ist „mein“ Geld. Ist es nicht ein Stück Metall oder Papier, das fluide durch die Welt bewegt wird? Wir würde diese Erde aussehen, wenn wir einen weichen, lockeren Umgang mit Geld hätten? Wenn wir immer da Teilen würden, wo es möglich ist. Wie wäre es, wenn wir das alle, die könnten, tun würden?
Wer sind wir, wenn wir unsere Konzepte, Ideen und Vorstellungen von Geben und Nehmen loslassen?
Falls du an dieser Stelle beim Lesen, merkst, dass du getriggert bist, atme tief ein, uns lass dich schauen, ob du von einem Platz „jenseits von richtig und falsch“ weiterlesen kannst. Wenn nicht, magst du vielleicht nach unten scrollen, um die Fragen zur Reflektion zu lesen.
Wir hatten beide das Glück, mit grosszügigen Eltern aufgewachsen zu sein. Definitiv nicht in allen Bereichen: Denn grosszügig ist es auch, wenn du anderen das Gefühl gibst, dass sie in deiner Gegenwart sicher sind. Das kann Lukas in jedem Fall sehr gut! (Ein Grund, weshalb ich, Nirmala, mich in ihn verliebt habe :-))
Ich, Nirmala, bin in der buddhistischen Praxis der Qualität von Grosszügigkeit, auf einer neuen Ebene, begegnet. So habe ich mich einige Jahre in buddhistischen Laienzentren aufgehalten, in Indien und Sri Lanka, ohne auch nur einmal nach Geld gefragt zu werden. Es war selbstverständlich, dass ich etwas beitragen wollte, zu dem tollen Essen, dem Lebensunterhalt des Lehrers, der Instandhaltung der Gebäude. Diese Praxis, hat mir so viel Freude bereitet, Einsicht und Weisheit geschenkt, dass ich, wie alle anderen, die dort lebten, dazu beitragen wollte, dass auch anderen Menschen in den Genuss des Retreatzenters, gelegen in magischer Natur, kamen.
Im Buddhismus ist Grosszügigkeit, die erste von 10 Qualitäten, die das Herz öffnen. Das ist kein Konzept, sondern eine verkörperte Erfahrung. Wenn es dir schlecht geht: Gib! Gib das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit, deine helfende Hand, Essen, einen Schlafplatz, dein geduldiges, zuhörendes Ohr. Wir können auch Toleranz schenken, jemand anderem das Gefühl geben, okay zu sein. Wir können grosszügig mit den Fehlern der anderen sein.
Wenn du wüsstest, was ich über die Kraft des Gebens weiß, würdest du keine einzige Mahlzeit verstreichen lassen, ohne die Gelegenheit zu nutzen, etwas zu geben.
– Buddha –
Ist dir schonmal aufgefallen, dass die schönsten Dinge im Leben umsonst sind? Ein Sonnenuntergang, das Lachen eines Kindes, das Geräusch eines Blattes im Wind. Geburt. Liebe. Freude. Zärtlichkeit. Und wenn wir doch sowieso diese Erde nur mit leeren Händen verlassen können, warum fällt es uns im Leben so schwer loszulassen? Nichts, von all den Gütern, die wir anhäufen, können wir mitnehmen. Wir werden alles zurück lassen.
Sicher ist diese Reise für uns auch eine Einladung, uns selbst neu zu begegnen. Zu erfahren, wie es ist, mit wenig auszukommen. Wirklich wenig. Nur das, was auf unsere Räder passt. Kein Überfluss, keine Auswahl im gewohnten Sinne – sondern eine Rückkehr zu dem, was wesentlich ist. Denn, ganz ehrlich, das, was wir mitnehmen werden, ist immer noch mehr, als viele Menschen auf dieser Welt besitzen. Wir wissen – und haben es selbst auf anderen Reisen bereits erlebt, dass Zufriedenheit nicht zwingend mit Besitz zusammenhängt.
Ich, Nirmala, erinnere mich an eine Zugfahrt in Indien. Ich hatte ein Bett, meinen Platz, vermeintlichen Komfort – und konnte nicht schlafen. Um mich herum lagen Menschen auf dem Boden, eng aneinander gedrängt, ohne das, was ich als „Minimum“ bezeichnen würde. Und sie schliefen. Tief, friedlich und lange!
Vielleicht geht es auf unserer Reise nicht nur darum, die Welt zu umrunden. Sondern auch darum, unsere eigenen Vorstellungen von „genug“, von Komfort, von Sicherheit zu hinterfragen. Denn genau daran haben wir Interesse: Zu erfahren, was bleibt, wenn das Gewohnte, das Sichere, die Vertrautheit und der Komfort wegfallen.
Und ob wir nun finanziell mit getragen werden, oder nicht: So ein Vorhaben geht sowieso nicht alleine. Nie. Genau so wenig, wie unser gewohntes, vertrautes Leben alleine geht! Wer hat die Kleider gemacht, die du trägst? Wer hat sie genäht, die Materialien dafür gegebenenfalls geerntet, transportiert? Wie lebt diese Person, wie versorgt sie sich und ihre Kinder? Der Stuhl, auf dem du sitzt besteht aus Erde, Wasser, Sonne und Luft. Wir sind nicht getrennt und unabhängig von einander. Wir sind zutiefst miteinander verbunden und verwoben.
Wir freuen uns, diese Reise mit dir gemeinsam zu beginnen. Wir freuen uns, auf das Teilen unserer Abenteuer, unserer Liebe und unserer Freude. Danke, für dein Lesen 💛
Und hier noch einige Reflektionen für dich (und uns), wenn du magst:
Denke an jemanden, der/die grosszügig ist. Wie nimmst du diese Person wahr? Welche Qualitäten hat sie? Was macht sie aus?
Welche Gedanken oder Bewertungen tauchen spontan auf, wenn jemand um Unterstützung bittet?
Habe ich gelernt, dass Geben oder Empfangen an Bedingungen geknüpft ist?
Fällt es mir leichter zu geben oder zu empfangen – und warum?
Welche Geschichten erzähle ich mir über Geld, Unterstützung und „Verdienen“?
Was macht es mit mir, wenn jemand offen um Hilfe bittet?
Berührt es vielleicht etwas in mir, das sich selbst mehr Unterstützung wünscht?
Welche Erfahrungen habe ich mit Großzügigkeit gemacht – auf beiden Seiten?
Nirmala bietet übrigens Spendenbasierte Yoga- und Meditationsangebote an. Falls du da mehr drüber wissen magst, schau gerne auf ihre Webseite!
➡️ Und falls du uns unterstützen magst, findest du HIER auf unserer Seite mehr Infos dazu.
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Einwillligung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Präferenzen
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.